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Das Festival

Rund 35.000 Besucher beim 2. Internationalen Musikfest Hamburg

Mit einem ausgedehnten Programm des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Thomas Hengelbrock zu Ehren von Johannes Brahms und einem Nikolaus Harnoncourt gewidmeten Epilog ging das 2. Internationale Musikfest Hamburg zu Ende. Der insgesamt gut vierwöchige Reigen aus hochkarätigen Konzerten lief vom 21. April bis 22. Mai und stand unter dem Motto »Freiheit«. Zu den 38 vielfach speziell auf dieses Thema hin geplanten Konzerten kamen etwa 35.000 Besucher.

Stehende Ovationen brachte das Publikum vielen der Künstler dar, etwa dem Pianisten Maurizio Pollini sowie dem Dirigenten Andris Nelsons und seinem Boston Symphony Orchestra für ihre unvergessliche Deutung von Mahlers 9. Sinfonie. Auch der britische Sänger Jamie Woon, der in der dreiteiligen Reihe »Nightline« neben Pantha du Prince und Nils Frahm Nachtschwärmer in die Laeiszhalle holte, wurde hymnisch gefeiert.

Das 3. Internationale Musikfest Hamburg findet vom 27. April bis 29. Mai 2018 statt – mit der Elbphilharmonie im Zentrum. Von da an wird es im Jahresrhythmus jeweils zum Saisonende das Musikleben in Hamburg krönen.

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Freiheitsstimmen

Viele Konzerte des Internationalen Musikfests begannen mit dem Vortrag kurzer Texte, den »Freiheitsstimmen«. Es sind Visionen von insgesamt 28 Neu-Hamburgern, die in ihrer Heimat keine Freiheit erleben können. Die »Freiheitsstimmen« finden Sie hier als Download oder zum Durchblättern als ePaper.

Das Festivalmotto 2016: Freiheit

Das 2. Internationale Musikfest Hamburg stand unter einem Festivalmotto, das aktueller nicht sein könnte: Freiheit. »Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren«. So lautet der 1. Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr  1948. Worte, die erschreckend dürr wirken angesichts der radikalen Utopie, die sie beschreiben. Tatsächlich erfassen kann das weite Feld der Freiheit hingegen eine Sphäre, die sich auf den sinnbildlichen Ausdruck spezialisiert hat: die Kunst. Und im Besonderen: die Musik.

Die Festival-Schwerpunkte

IN SZENE GESETZT

Fünf Produktionen zeigten sich »in Szene gesetzt«, darunter eine spektakuläre neue Lesart von Bachs »Matthäuspassion« zur Festivaleröffnung unter der Leitung von Kent Nagano, inszeniert von dem legendären Regisseur Romeo Castellucci. Mit Henry Purcells »Dido und Aeneas« mit Thomas Hengelbrock und Johanna Wokalek war ein Sensationserfolg der letzten Salzburger Festspiele in Hamburg zu Gast. Jeffrey Tate brachte Leonard Bernsteins »Candide« in die Laeiszhalle und die unbändige Geigerin Patricia Kopatchinskaja inszenierte schließlich gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra eine Konzertperformance, die gängige Hörgewohnheiten auf den Kopf stellte: Bye Bye Beethoven!

Überlebensmusik

Die Reihe »Überlebensmusik« kreiste um Werke, die die politische Diktatur, die Haft und das Konzentrationslager überdauert haben. »Arbeit macht frei« – diese zynische Parole brachten die Nationalsozialisten am Eingang ihrer Vernichtungslager an. Unter den Millionen, die darin ermordet wurden, waren auch etliche Komponisten. Das Musikfest widmete Künstlern wie Erwin Schulhoff, Gideon Klein, aber auch Olivier Messiaen und Mieczysław Weinberg eine eigene Kammerkonzertreihe. Interpretiert von herausragenden Solisten wie Carolin Widman, Sharon Kam und Tanja Tetzlaff sowie dem Pavel Haas Quartet und dem Bennewitz Quartet.

Johannes Brahms

Ein weiterer Schwerpunkt war Hamburgs größtem Musiksohn Johannes Brahms gewidmet. Im Rahmen des Musikfests waren einige seiner größten Werke zu hören, darunter das Deutsche Requiem, das Doppelkonzert sowie alle vier Sinfonien, die Thomas Hengelbrock an einem Tag aufführte.

Popkonzerte und Perfomances

Eine Nightline mit Popkonzerten am späteren Abend verwandelte die Laeiszhalle in einen Club. Mit dabei: Dubstep-Pionier Jamie Woon und Techno-Musiker Pantha du Prince. Der Hamburger Künstler Felix Kubin hat für das Internationale Musikfest Hamburg eigens eine Performance kreiert, die Schwerkraft, Raum und Zeit außer Gefecht setzt. Zum »Open House« im Haus 73 auf dem Schulterblatt lud der italienische Konzertpianist Marino Formenti: Eine Woche lang hatte er gemeinsam mit Musikern aus unterschiedlichen Genres und Herkunftsländern künstlerisch gearbeitet.

Und damit nicht genug: Eines der letzten Konzerte vor seiner Zwangsfusionierung gab das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter dem Originalklang-Spezialisten François-Xavier Roth. Der Grandseigneur der Klavierkunst Maurizio Pollini kam für einen seiner sehr seltenen Klavierabende nach Hamburg. Das Boston Symphony Orchestra brachte unter Star-Dirigent Andris Nelsons Gustav Mahlers monumentale 9. Sinfonie auf die Bühne der Laeiszhalle. Und mit der Freiheit der Gedanken befasste sich Bariton Thomas Hampson in einem Liederabend, der rund um die Lieder der Revolution kreiste – vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis zum deutschen Vormärz.

Festivalepilog

Feierlich wurde es zum Abschluss des Internationalen Musikfests Hamburg. Mit Beethovens Neunter Sinfonie würdigte das Musikfest den unvergleichlichen Nikolaus Harnoncourt, der das Konzert ursprünglich selbst dirigieren sollte. Am 5. März ist Harnoncourt im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Die Musikwelt trauert um einen einzigartigen Künstler. Das Konzert fand trotzdem statt - mit allen angekündigten Mitwirkenden, unter Diego Fasolis als neuer Leitung.